Volksfürsorge Betriebsrente

Wie mehr als 2.000 Betriebsrentner der Volksfürsorge für ihre Rentenanpassung kämpften – bis zum Bundesarbeitsgericht.

Stand: 4. September 2026

Volksfürsorge Betriebsrente

Das Versprechen.

Wer sein Berufsleben bei der Volksfürsorge verbrachte, sollte sich darauf verlassen können, im Alter abgesichert zu sein. Die Volksfürsorge war aus der Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung hervorgegangen. Soziale Verantwortung, Gemeinschaft und Verlässlichkeit gehörten zu ihrem Selbstverständnis – ebenso wie die betriebliche Altersversorgung.

Das Betriebliche Versorgungswerk, kurz BVW, sagte den Beschäftigten eine Gesamtversorgung im Alter zu. Auf sie wurden unter anderem die gesetzliche Rente und Leistungen der Versorgungskasse angerechnet; die verbleibende Differenz zahlte der Arbeitgeber als Pensionsergänzung. Entscheidend war die Dynamik: Entwickelte sich die gesetzliche Rente weiter, sollte auch die Gesamtversorgung fortgeschrieben werden. Für die Beschäftigten war das mehr als eine Rechenformel: Jahrzehntelange Arbeit und Loyalität gegen Verlässlichkeit im Alter.

Volksfürsorge Betriebsrente

Der Bruch.

2015 geriet dieses Vertrauen ins Wanken. Die gesetzlichen Renten stiegen zum 1. Juli 2015 um rund 2,1 Prozent, ein Jahr später um 4,25 Prozent. Viele ehemalige Volksfürsorge-Beschäftigte erhielten jedoch jeweils nur 0,5 Prozent mehr Betriebsrente. Für die Betroffenen ging es deshalb nicht nur um wenige Prozentpunkte, sondern um eine grundsätzliche Frage: Was war ein jahrzehntealtes Versprechen noch wert?

Viele wollten die Begrenzung nicht hinnehmen. Sie suchten alte Versorgungsordnungen heraus, verglichen Rentenabrechnungen, legten Widerspruch ein, holten Rechtsrat ein und vernetzten sich mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Aus einem Rentenbescheid wurde eine Rechtsfrage. Aus der Rechtsfrage wurde ein Konflikt. Und aus dem Konflikt entstand Widerstand.

Volksfürsorge Betriebsrente

Der Widerstand.

Am Anfang standen Einzelne, die sagten: Das kann nicht richtig sein. Dann wurden es immer mehr. Betriebsrentner tauschten Unterlagen aus, verglichen ihre Fälle und zogen vor die Arbeitsgerichte. Was zunächst jeder für sich austragen musste, entwickelte sich zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung. Mehr als 2.000 Betriebsrentner setzten ihre Ansprüche schließlich erfolgreich durch.

Der Streit führte bis zum Bundesarbeitsgericht. Am 25. September 2018 ergingen mehrere wichtige Entscheidungen, weitere Urteile folgten 2019 und 2020. Für viele Kläger bedeutete das Nachzahlungen und höhere laufende Betriebsrenten. Doch ein gewonnenes Urteil half nicht automatisch allen. Manche hatten nicht geklagt, andere vertrauten darauf, dass die Entscheidungen auch auf ihre Versorgung übertragen würden. Für einen Teil erfüllte sich diese Hoffnung nicht. Recht haben und Recht bekommen sind nicht dasselbe.

Volksfürsorge Betriebsrente

Das Vermächtnis.

Die Auseinandersetzung wirkt bis heute fort. Zum 1. Juli 2026 wurden die Betriebsrenten nach BVW und VO85 um 4,24 Prozent angehoben. Die Regeln, um die damals gestritten wurde, sind deshalb keine Vergangenheit. Genau deshalb gibt es KeineSorge.ORG: Wir bewahren Versorgungsordnungen, dokumentieren Urteile, rekonstruieren Zusammenhänge und machen dieses Wissen für Betroffene zugänglich.

Denn die Volksfürsorge ist Geschichte. Ihre Versprechen sind es nicht. Und die Geschichte ihres Widerstands zeigt: Ein Versprechen bleibt nur dann lebendig, wenn Menschen sich daran erinnern – und bereit sind, dafür einzustehen.

Volksfürsorge Betriebsrente

Die Gemeinschaft.

Liebe ehemalige Kolleginnen und Kollegen der Volksfürsorge, gemeinsam haben wir wichtige Erfolge für unsere Betriebsrenten erreicht. Doch ebenso wichtig ist, dass unsere Gemeinschaft lebendig bleibt. Deshalb laden wir Sie herzlich zu unserem großen Wiedersehen ein:

Freitag, 6. November 2026, 14–17 Uhr, Hofbräu Wirtshaus am Speersort in Hamburg. Freuen Sie sich auf bekannte Gesichter, Erinnerungen und gute Gespräche. Anmeldung: info@keinesorge.org

Die Volksfürsorge ist Geschichte. Was uns verbunden hat, bleibt.

Ihre Initiative
KeineSorge.ORG
Klaus-Peter Kussmann & Team

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