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Das Versprechen, der Bruch, der Widerstand: Wie über 2.000 Betriebsrentner der Volksfürsorge für ihre Rentenanpassung kämpften – bis zum Bundesarbeitsgericht.

Stand: 3. September 2026

Das Versprechen.

Wer sein Berufsleben bei der Volksfürsorge verbrachte, sollte sich darauf verlassen können, im Alter abgesichert zu sein.

Die Volksfürsorge war kein gewöhnliches Versicherungsunternehmen. Aus der Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung hervorgegangen, verband sich mit ihr über Jahrzehnte ein besonderes Selbstverständnis: soziale Verantwortung, Gemeinschaft und Verlässlichkeit.

Dazu gehörte auch die betriebliche Altersversorgung.

Das Betriebliche Versorgungswerk, kurz BVW, sagte den Beschäftigten eine Gesamtversorgung für das Alter zu. Auf diese wurden unter anderem die gesetzliche Rente und Leistungen der Versorgungskasse angerechnet. Die verbleibende Differenz hatte der Arbeitgeber als Pensionsergänzung zu tragen.

Entscheidend war die Dynamik: Entwickelte sich die gesetzliche Rente weiter, sollte grundsätzlich auch die Gesamtversorgung fortgeschrieben werden.

Für viele Beschäftigte war das keine abstrakte Rechenformel. Es war Teil eines stillen Pakts:

Jahrzehntelange Arbeit und Loyalität gegen Verlässlichkeit im Alter.

Menschen planten mit diesem Versprechen. Sie vertrauten darauf, dass die Regeln auch dann noch gelten würden, wenn ihr Arbeitsleben längst beendet war.

Der Bruch.

2015 geriet dieses Vertrauen ins Wanken.

Die gesetzlichen Renten stiegen zum 1. Juli 2015 um rund 2,1 Prozent. Ein Jahr später folgten 4,25 Prozent.

Doch viele ehemalige Volksfürsorge-Beschäftigte erhielten jeweils nur 0,5 Prozent mehr Betriebsrente.

Auf dem Papier waren es wenige Prozentpunkte.

Für die Betroffenen ging es um etwas Größeres: Was war ein jahrzehnte altes Versprechen noch wert?

Durfte die Dynamik einer zugesagten Versorgung begrenzt werden? Durften Regeln, auf die Beschäftigte ein Arbeitsleben lang vertraut hatten, im Ruhestand anders angewendet werden?

Viele wollten das nicht hinnehmen.

Sie holten alte Versorgungsordnungen aus Schränken und Aktenordnern. Sie verglichen Rentenabrechnungen, schrieben Widersprüche, suchten Rechtsrat und sprachen mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen.

Aus einem Rentenbescheid wurde eine Rechtsfrage.

Aus einer Rechtsfrage wurde ein Konflikt.

Und aus dem Konflikt entstand Widerstand.

Der Wiederstand.

Am Anfang standen Einzelne.

Menschen, die sagten: Das kann nicht richtig sein.

Dann wurden es immer mehr.

Betriebsrentner tauschten Unterlagen aus, verglichen ihre Fälle und zogen vor die Arbeitsgerichte. Was jeder zunächst für sich austragen musste, entwickelte sich zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung.

Mehr als 2.000 Betriebsrentner setzten ihre Ansprüche schließlich erfolgreich durch.

Der Streit führte bis zum Bundesarbeitsgericht. Am 25. September 2018 ergingen mehrere wichtige Entscheidungen. Weitere Urteile folgten 2019 und 2020.

Für viele Kläger bedeutete das Nachzahlungen und höhere laufende Betriebsrenten.

Doch der Erfolg hatte eine bittere Seite.

Ein gewonnenes Urteil half nicht automatisch allen.

Manche hatten nicht geklagt. Andere hatten darauf vertraut, dass eine höchstrichterliche Entscheidung irgendwann auch auf ihre eigene Versorgung übertragen würde.

Für einen Teil der Betroffenen erfüllte sich diese Hoffnung nicht.

Damit wurde eine Erkenntnis zum Vermächtnis dieses Konflikts:

Recht haben und Recht bekommen sind nicht dasselbe.

Auch mehr als zehn Jahre später wirkt die Geschichte fort. Zum 1. Juli 2026 wurden die Betriebsrenten nach BVW und VO85 um 4,24 Prozent angehoben.

Die Regeln, um die damals gestritten wurde, sind bis heute von Bedeutung.

Deshalb gibt es KeineSorge.ORG.

Die Initiative bewahrt Versorgungsordnungen, dokumentiert Urteile, rekonstruiert Zusammenhänge und macht das Wissen für Betroffene zugänglich.

Denn die Volksfürsorge ist Geschichte.

Ihre Versprechen sind es nicht.

Und die Geschichte ihres Widerstands zeigt: Ein Versprechen bleibt nur dann lebendig, wenn Menschen sich daran erinnern – und bereit sind, dafür einzustehen.

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Liebe ehemalige Kolleginnen und Kollegen der Volksfürsorge,

gemeinsam haben wir über KeineSorge.ORG wichtige Erfolge für unsere Betriebsrenten erreicht. Doch ebenso wichtig ist, dass unsere Gemeinschaft lebendig bleibt.

Deshalb laden wir Sie herzlich zu unserem großen Wiedersehen ein:

6. November 2026, 14 Uhr
Hofbräu Wirtshaus am Speersort, Hamburg

Freuen Sie sich auf bekannte Gesichter, Erinnerungen und gute Gespräche. Wir haben Platz für 500 Personen.

Anmeldung: info@keinesorge.org

Die Volksfürsorge ist Geschichte. Was uns verbunden hat, bleibt.

Ihre Initiative
KeineSorge.ORG