KeineSorge.ORG · Volksfürsorge bAV · Februar 2026
Sie haben Jahrzehnte für die Volksfürsorge gearbeitet, doch heute prangen auf Ihren Rentenbescheiden völlig unbekannte Namen wie „Proxalto" oder „PLE Pensions GmbH". Viele Betriebsrentner fragen sich verunsichert: Was ist aus meinem alten Arbeitgeber geworden? Sind meine Ansprüche bei diesen neuen Gesellschaften überhaupt noch sicher? Die kurze Antwort lautet: Ja. Aber um wirklich sicher zu sein, müssen Sie verstehen, wer heute am Hebel sitzt – und warum Ihre Rechte dennoch absolut unangetastet bleiben.
Die Geschichte Ihrer Betriebsrente spiegelt die Konsolidierungswellen des deutschen Versicherungsmarktes wider.
Die 1913 gegründete Volksfürsorge war jahrzehntelang eine feste Größe in der deutschen Arbeitnehmerwelt. 1988 erwarb die AMB (Aachener und Münchener Beteiligungs-AG) die Mehrheit. 1998 wurde die AMB in den Generali-Konzern integriert, und 2009 verschwand die Traditionsmarke „Volksfürsorge" endgültig – die Gesellschaften wurden vollständig in die Generali Deutschland AG fusioniert.
Die Generali-Ära war die Zeit, in der der jahrelange Streit um die Rentenanpassung entbrannte: Generali deckte die Anpassung der Volksfürsorge-Betriebsrenten ab 2015/2016 auf 0,5 % pro Jahr, was das Bundesarbeitsgericht in mehreren Urteilen als nicht ausreichend beanstandete.
Der Run-off (2019): Im April 2019 verkaufte die Generali ihren gesamten Bestand an klassischen Lebensversicherungsverträgen – darunter die alten Volksfürsorge-Verträge – an die Viridium Gruppe. Die bisherige Generali Lebensversicherung AG firmierte fortan unter dem Namen Proxalto Lebensversicherung AG.
Die Rentnergesellschaft (2022): Am 29. April 2022 wurden die direkten Pensionsverpflichtungen aus den alten Versorgungswerken auf eine eigens dafür gegründete Gesellschaft übertragen: die PLE Pensions GmbH, eine Tochter der Viridium Holding AG. Sie ist seit diesem Zeitpunkt der offizielle Risikoträger und damit die formale Rentenschuldnerin. Die administrative Bestandsverwaltung im Hintergrund erfolgt weiterhin durch ein bAV-Kompetenzcenter der Generali Deutschland AG.
Der Begriff Run-off bezeichnet die Abwicklung und Verwaltung bestehender Versicherungsbestände ohne Neugeschäft. Die Viridium Gruppe hat sich auf dieses Modell spezialisiert: Sie übernimmt alte Lebensversicherungsportfolios von klassischen Versicherern, die das Geschäft nicht mehr strategisch betreiben wollen, und verwaltet die Verträge bis zum Auslaufen des letzten Vertrages.
Das klingt zunächst nüchtern – und das ist es auch. Während früher der eigene Arbeitgeber als Fürsorger fungierte, agieren Run-off-Plattformen stark prozess- und kostenoptimiert. Kulanzentscheidungen werden seltener. Für Sie als Betriebsrentner bedeutet das: Ihre Rechte – das Recht auf Auskunft, auf korrekte Rentenanpassung, auf Zusatzleistungen – müssen Sie proaktiver, schriftlicher und notfalls juristischer einfordern als früher.
Bestandsübertragungen in dieser Größenordnung bedürfen der ausdrücklichen Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Übertragung auf die PLE Pensions GmbH wurde erst nach eingehender Prüfung der Solvabilität genehmigt. Das garantiert, dass das vorhandene Kapital ausreicht, um die Verpflichtungen bis zum letzten Rentner vollständig zu erfüllen.
Ein Rentner, der 2023 Nachzahlungen für die fehlerhaften 0,5 %-Rentenanpassungen aus der Generali-Zeit einklagen wollte, durfte seine Klage nicht mehr gegen die Generali Deutschland AG richten – diese ist nicht mehr Risikoträgerin seiner bAV. Die Forderung musste formal gegen die heutige Rentenschuldnerin erhoben werden: die PLE Pensions GmbH. Wer diesen Adressatenwechsel nicht kennt, riskiert, mit seiner Klage beim falschen Gegner ins Leere zu laufen.
Lassen Sie sich von den Namenswechseln nicht verunsichern. Ob Volksfürsorge, Generali, Proxalto oder PLE Pensions GmbH – an der Substanz Ihres bAV-Vertrages ändert sich nichts. Die ursprünglichen Versorgungsordnungen (BVW, VO85, AVB) bleiben bindend. Die BAG-Urteile zu Ihren Gunsten gelten für den heutigen Rechtsnachfolger uneingeschränkt weiter. Kein Eigentümerwechsel und kein Umstrukturierungsprozess kann historisch erarbeitete Ansprüche aushöhlen.
Richten Sie künftige Anfragen, Anpassungsrügen und Beschwerden gezielt an die PLE Pensions GmbH als aktuell zuständige Gesellschaft. Bei Streitigkeiten um alte Zusagen aus BVW oder VO85 empfiehlt sich die Hinzuziehung von bAV-Spezialisten, die den Run-off-Markt und seine Nachfolgegesellschaften aus langjähriger Erfahrung kennen.
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