E-Mail an alle Mitarbeiter

Mit Schreiben vom 26.06.2017 hatte die Generali alle Kläger angeschrieben: Informationsschreiben über den „Stand der Massenverfahren“. Bitte klicken Sie hier, wenn Sie den Brief lesen wollen. Viele haben dem Vorstand der Generali geantwortet.

Hier der Brief von Ursel Girmond.
An den Vorstand der
Generali Lebensversicherung AG
Adenauerring 7-11

81731 München


Betriebliche Versorgungsbezüge zum 1.7.2017 – PNR: 27206

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr Informationsschreiben zur Anpassung der Versorgungsbezüge ab 1.7.17 habe ich erhalten. Sie wollen mich damit über den Stand der laufenden Klagen wegen der nicht vereinbarungsgemäß erfolgten Erhöhung der Versorgungsbezüge in den Jahren 2015 und 2016 informieren.

Sie versuchten zu erklären, dass Sie die bekannten Argumente die schon in den Klageerwiderungen genannt werden, nicht wiederholt werden sollen. Dazu kann ich nur anmerken, dass genau das aber gemacht wird.

Warum die Sachlage seit dem Jahr 2015 auf einmal komplexer sein soll als in den Jahren zuvor, ist nicht nachvollziehbar. Es würde ja ansonsten bedeuten, dass seit 1985 für die Volksfürsorge bzw. für die Nachfolge-Gesellschaften nicht verantwortlich gehandelt wurde. Das weise ich als ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrats jedoch mit Nachdruck zurück. Es stimmt allerdings, dass in der Zeit meiner Aufsichtsratstätigkeit die Erfüllung vertraglicher Regelungen gegenüber Beschäftigten und Rentnern genauso ernst und wichtig genommen wurden wie die Erzielung der Dividenden. Diesen Eindruck kann ein aufmerksamer Beobachter allerdings jetzt nicht haben.

Ihr Hinweis, dass bei den aktuell Beschäftigten wegen der Sparmaßnahmen eine Betroffenheit besteht, ist sicher richtig. Ob die Maßnahmen allerdings in der vom Vorstand gewählten Form berechtigt waren bzw. sind, kann durchaus bezweifelt werden. Dies haben letztendlich in erster Linie die heute beschäftigten Arbeitnehmer und deren Vertreter zu bewerten. Anzunehmen, dass mit der nicht vertragsgemäßen Anpassung der Betriebsrenten auch nur ein Arbeitsplatz gerettet werden könnte, ist absurd. Die Beschäftigten und deren Vertreter sind nicht blauäugig. Ihre Argumentation stellt den Versuch dar, aktiv Beschäftigte und Versorgungsempfänger gegeneinander auszuspielen. Das ist zwar heute anscheinend eine beliebte Methode, aber keine reelle Geschäftspolitik und weist eher auf eine hilflose und nicht überzeugende Argumentation hin.

Die von Ihnen erwähnte „Ausnahmeregelung“ wurde seinerzeit in Übereinstimmung zwischen der Geschäftsleitung und der Vertretung der Beschäftigten vereinbart. Sie hatte nie den Zweck, eine einmalig eventuell nicht ganz leicht zu bewältigende Situation dadurch zu vereinfachen, dass der Wert der Versorgungsordnung fallweise zur Disposition gestellt wird.

Ihre Auslegung der „Ausnahmeregelung“, dass die Zukunft der Generali in Deutschland in Ihrer Gesamtheit auf dem Spiel steht, wenn die bisherige Anpassung der Versorgungsbezüge beibehalten wird, ist eine bewusste Irreführung, die man schlicht und einfach nur als perfide empfinden kann. Real betrachtet bedeutet es doch einzig und allein, dass die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht. Die Aktionäre können sich also bei den Rentnern bedanken. Hoffentlich wissen sie das auch.

Ihre in dem Schreiben aufgeführten Argumente sind nicht neu. Jeder Pensionär, der Klage eingereicht hat, kennt diese zur Genüge. Deshalb empfehle ich Ihnen, auf solche Briefe zu verzichten. Dies spart Geld und würde der Wahrheit – den Zusagen und Absprachen des Vorstandes der ehemaligen Volksfürsorge mit dem Gesamtbetriebsrat – eher dienen.


Mit freundlichem Gruß
gez. Ursel Girmond