Unruhe bei Generali: Betriebsrat übt harte Kritik an Umstrukturierungen

Die Run-Off-Pläne für die Generali Leben werden in den nächsten Wochen entschieden. Spannend bleibt die Frage, ob sich der Versicherer für eine interne oder externe Lösung entscheidet. Die Betriebsräte haben dazu ihre eigene, klare Meinung. VWheute sprach mit dem Konzernbetriebsrats-Vorsitzenden Ulrich Effenberg und seinem Stellvertreter Daniel-Christoph Schmidt, zugleich Gesamtbetriebsratschef der Generali Deutschland.

VWheute: Wie steht der Konzern- bzw. Gesamtbetriebsrat zu den Run-Off-Plänen, nachdem ver.di sich dagegen ausgesprochen hat?

Daniel-Christoph Schmidt: Das sehen wir genauso wie Verdi. Die Branche hat jahrelang gut an den Lebensversicherungen und der betrieblichen Altersversorgung verdient. Ohne Zweifel ist die Lage derzeit nicht gut. Aber im Sinne einer Nachhaltigkeit, Verlässlichkeit und des Kundenvertrauens in die Generali könnten wir einen solchen Schritt absolut nicht mittragen. Und bei vier Millionen Verträgen befürchten wir auch einen Dammbruch in der Versicherungsbranche, der weder der Branche noch der Politik guttut.

VWheute: Was haben Sie gegen die Run-Off-Pläne einzuwenden, die doch unternehmerische Entscheidungen sind, wie Bafin-Präsident Felix Hufeld erklärt?

Daniel-Christoph Schmidt: Die aktuellen Aussagen seitens der Bafin finden wir enttäuschend. Die Bafin schaut aus unserer Sicht sehr eindimensional auf die Dinge. Es geht nicht nur um die Solvenzquote, Kapitalausstattung oder unternehmerische Freiheit, sondern es hat mehrere Dimensionen. Dazu gehören für uns auch die Themen Kundenvertrauen und -bindung. Die Abwicklungsplattformen wollen Gewinne erzielen, und damit werden in der Folge Kosten deutlich reduziert.

Hier befürchten wir einen deutlich schlechteren Kundenservice und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen für unsere Kolleginnen und Kollegen. Das Image der Generali würde in Deutschland ramponiert werden und das würde der Vertrieb nachhaltig zu spüren bekommen.
Im Übrigen sind wir überzeugt davon, dass wir das intern ohne Verkauf besser machen werden als ein externer Käufer. Ganz abgesehen von der Machbarkeit der Übertragung an einen Käufer, da einer solchen Übertragung eine hohe Komplexität zu Grunde liegt.

VWheute: CEO Giovanni Liverani hat eine dritte Variante für den Run Off ins Spiel gebracht. Danach wird an eine externe Run-Off-Plattform verkauft, die Generali hält daran aber eine Minderheitsbeteiligung. Wie stehen Sie zu einer solchen Lösung?

Daniel-Christoph Schmidt: Die genaue Ausgestaltung dieser Idee kennen wir genauso wenig wie die Motivation. Wir würden uns wahrscheinlich erst mit dieser Idee ernsthaft befassen, wenn es sich um eine Mehrheitsbeteiligung handeln würde.

VWheute: Die DVAG lobt sich, dass 2.500 der 2.800 Außendienst-Mitarbeiter der Generali den Weg zur Allfinanz gefunden haben, also rund 90 Prozent. Wie hoch ist die Quote bei den angestellten Vermittlern?

Daniel-Christoph Schmidt: Lassen sie mich eines vorweg sagen. Als Arbeitnehmervertreter sind wir gegen diesen Schritt der Integration des Exklusivvertriebes Generali in die DVAG gewesen. In den Verhandlungen bezüglich des Wechsels haben wir dann versucht, die bestmöglichen Regelungen für die Menschen zu erzielen. Beide physischen Vertriebe haben ihre Berechtigung.
Die DVAG und die AachenMünchener sind ein sehr erfolgreich eingespieltes Team. Aus unser Sicht hätte sich aber auch die Fortführung und Weiterentwicklung des Exklusivvertriebes Generali gelohnt. Bei einem Konzern dieser Größenordnung sind zwei Standbeine neben dem Direkt- und Maklervertrieb immer besser. Zu den Zahlen möchte ich nichts sagen, da uns eine detaillierte Auswertung noch nicht vorliegt.

VWheute: Sind Sie mit den Konditionen zum Wechsel der Handelsvertreter und der Angestellten zur DVAG zufrieden?

Ulrich Effenberg: Da wir als Konzernbetriebsrat die Bedingungen verhandelt haben und wir auf die praktische Umsetzung, insbesondere den Bestandszuordnungen, keinen Einfluss haben, möchten wir die Beurteilung lieber anderen überlassen.

VWheute: Wie viele Innendienst-Mitarbeiter werden aufgrund der umfassenden Umstrukturierungen und eines Run-Offs eingespart und in welchen Bereichen?

Ulrich Effenberg: Derzeit verhandeln wir noch über die genaue Ausgestaltung für einen internen Run-Off. Deshalb möchten wir nichts zu den aktuellen Verhandlungen sagen. Wir haben aber unser Management sehr deutlich dazu aufgefordert, die schon vereinbarten Arbeitsbedingungen bei einer internen Lösung umzusetzen und keinen Verkauf zu vollziehen. Im Sinne der Kunden, des Vertriebes und unserer Kolleginnen und Kollegen.

VWheute: Gibt es noch den Dienstleistungsstandort Leipzig?
Ulrich Effenberg: Ja, inzwischen haben wir dort fast 100 Beschäftigte und ein weiterer Ausbau ist geplant. Wir konnten hier die üblichen Konzernarbeitsbedingungen vereinbaren. Lediglich beim Gehalt sehen wir noch Gestaltungsspielraum.

Daniel-Christoph Schmidt: Mein Kollege Effenberg hat viel für die Menschen und die Arbeitsbedingungen erreicht.
VWheute: Wie bewerten Sie allgemein die Stimmung im Hause?

Ulrich Effenberg: Die Stimmung ist derzeit nicht gut. Im gesamten Konzern herrscht derzeit viel Unruhe, welche leider in solchen Umbruchphasen üblich ist. Trotz einer Beschäftigungssicherung bis Ende 2021 mit einer Verlängerungsoption bis 2023 ist die Unsicherheit absolut verständlich.
Wir wünschen uns auf jeden Fall mal wieder eine Phase ohne Veränderungen, denn wir sind schon zu lange nur mit uns selbst beschäftigt. Wir sollten uns noch mehr um die Kunden und das Neugeschäft kümmern, anstatt permanent umzustrukturieren.

Das Gespräch führte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.