Zum Tod von Wolfgang Otte: Eine Branche sagt Tschüss!

Der langjährige Pressesprecherkollege und freie Journalist Wolfgang Otte ist tot. Unerwartet verstarb er am letzten Wochenende in Lübeck. Bis zuletzt war er als Korrespondent mit besten Verbindungen in die Branche für das Magazin Versicherungswirtschaft und den Online-Tagesreport VWheute tätig. Diese Verbindungen hat er sich mehr als jeder andere seiner Kollegen bei der Volksfürsorge engagiert erarbeitet. Ein Nachruf von Günther Jesumann.

Mit seiner Neugier, seiner schnellen Auffassungsgabe und seinem Interesse an den Menschen hat Wolfgang auch in den schwierigsten Situationen einen Weg für alle gefunden. Nicht ohne Grund war er einer der ersten Pressesprecher in der Assekuranz, der 2003 den Pressestellen-Award des Vereins der Versicherungsjournalisten (VdVJ) erhielt. Diese Ehre kommt nur Kommunikatoren zuteil, die sich durch gute Erreichbarkeit, fachliche Kompetenz und Fairness, auch in schwierigen Situationen, auszeichnen.

Otte machte 1967 Abitur in Kassel und begann als Volontär bei der Hessisch-Nassauischen Allgemeinen Zeitung. Dort hielt es ihn nicht lange. Nur zwei Jahre später wechselte er als Pressesprecher zum DGB, um schließlich im Jahr 1972 bei der Volksfürsorge seine berufliche Heimat zu finden. Bei dem Hamburger Unternehmen baute er seinen Ruf als kompetenter PR-Spezialist auf und aus.

Er war Mitbegründer eines “Freundeskreises der PR-Kollegen in der Assekuranz”. Auch im Norden der Republik pflegte Otte die Beziehungen – nicht nur zu den Journalisten, sondern auch zu den Kollegen bei den Wettbewerbern. Als Kongresse und Veranstaltungen organisiert wurden und wenn der Weg die Gäste zur Volksfürsorge führte, durften sie natürlich auf die Binnenalster schauen – sein Blick aus dem Büro.

Als 2009 der italienische Konzern Generali in Hamburg die Führung übernahm, begleitet Otte sein Unternehmen noch ein paar Jahre. Seine berufliche Neigung zu recherchieren, nachzufragen, zu schreiben und zu beraten gab der 1948 geborene Otte aber niemals auf. Nach seinem Abschied aus der oberen Etage der alten Volksfürsorge, zu dem alles, was in der Versicherungsbranche, im Journalismus und in der PR Rang und Namen hatte, erschienen war, wurde er freier Berater, unter anderem für eine Maklerorganisation.

“Ich kann mich noch an das fröhliche Zusammensein zu seiner Verabschiedung am Jungfernstieg im Alex mit Blick auf die Alsterdampfer – deren Rettungsringe noch bis heute das Volksfürsorge-Logo schmücken – erinnern. Er war in der Branche bestens vernetzt, hatte eine Trüffelnase für Geschichten und ein unglaubliches Wissen angehäuft”, sagt Hanse-Merkur-Kollege Heinz-Gerhard Wilkens. “Wolfgang Otte wird fehlen.”

Auch den Redakteuren der Versicherungswirtschaft und des Online-Tagesreports VWheute. Hier brachte er seit 2012 Monat für Monat die führenden Manager der Branche “ins Profil”, schrieb exklusive Hintergrundberichte und überzeugte mit fachlich-fundiertem Insider- und Expertenwissen.

Mitten aus diesem Schaffen ist Wolfgang nun nicht mehr da. Als alter Kollege aus dem Norden werde ich seine trockene, humorvolle und oft auch sehr direkte Art, jemandem zu sagen, was er von ihm hält, vermissen. Sein Lachen auch. Für mich war er einer, der immer zu hundert Prozent hinter der Sache stand. Und bei Wolfgang hieß das Volksfürsorge. Er war ständig unterwegs. Seine Gesundheit war ihm nicht wichtig. Auch seine Familie muss unter seinem Einsatz für die “Vofü” sicher gelitten haben. Wieviel Skandale oder Krisen er vor dem Eintritt bewältigt hat, ist nicht bekannt, aber es waren einige …

Ob von ihm auch der Slogan “Keine Sorge – Volksfürsorge” stammt, ist nicht überliefert. Aber für Sprüche war er immer gut und dahinter steckte ein mit allen Wassern der PR-Branche gewaschener Mann. Ja, wer ihn in seinem Team hatte, musste sich in der Tat keine Sorgen machen. Tschüss Wolfgang!

Autor: Günther Jesumann, ehemaliger Provinzial-Kommunikator und Medienkoordinator für die Provinzial Nordwest.

Weblink:
http://versicherungswirtschaft-heute.de/koepfe-positionen/zum-tod-von-wolfgang-otte-eine-branche-sagt-tschuss/