Generali: Der große Deal des Giovanni Liverani

Giovanni Liverani, seit gut zwei Jahren an der Spitze der Generali Deutschland, redet gern in Superlativen. So hat er vor kurzem selbst formuliert, die Transformation in Richtung Nummer eins für die Kunden in Deutschland beschleunigen zu wollen. Das bezog sich zunächst auf seine nahezu neue Vorstands-Mannschaft nach dem Abgang von immerhin fünf Managern in weniger als einem Jahr. Seit heute hat dieser kernige Satz noch eine ganz andere Bedeutung.

Mit dem nunmehr beschlossenen Umbau der Generali in Deutschland bleibt dort kein Stein mehr auf dem anderen. Es dürfte eines der größten und weitreichendsten Deals in der deutschen Versicherungswirtschaft der letzten Jahre sein. Nachdem seit der Fusion der Volksfürsorge Gesellschaften mit denen der Generali-Gesellschaften zum 1. Januar 2009 immer wieder weitestgehend nur an Symptomen herumgedoktert wurde, holt jetzt der Diplom-Ingenieur aus Mailand zum großen Rundumschlag aus. Man kann sich für alle Beteiligten nur wünschen, dass das Vorhaben erfolgreich verläuft.

Die Ausgangslage bestätigt durchaus den Optimismus der Generali-Verantwortlichen, ob des gigantischen Zukunftsprojekts. Immerhin packt Andreas Pohl, Chef des größten deutschen Allfinanzvertriebs, der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), mit an, um den Erfolg zu garantieren. Es ist kaum zu glauben, dass die erfolgsverwöhnten Frankfurter sich nicht einen großen Schub für ihren Umsatz versprechen, wenn sie auf einen Schlag über 2.000 Vermittler nach ihrem Zuschnitt übernehmen können. Immerhin wurden in der Vergangenheit stets die guten Leistungen der Generali-Vertriebler gewürdigt. Da dürfte es für Pohl auch nicht schwer gefallen sein, der Umbenennung der Aachen Münchener Gesellschaften in Generali zugestimmt zu haben.

Cosmos Direkt soll auch PKV und Rechtsschutz anbieten

Ja, das von Liverani präsentierte Modell macht großen Sinn. Es löst bisher vorhandene Komplexitäten auf und sorgt für eine stringente, transparente Unternehmensführung durch die Münchner Holding. Jetzt gilt das Prinzip der Spezifizierung mit nur noch einem großen Lebens- und Sachversicherer mit persönlicher vertrieblicher Kundenbetreuung, mit der Dialog als eigenem Maklerversicherer und der Cosmos als einem bekannten Direktversicherer. Überrascht hat auch die Mitteilung, dass der Digitalversicherer mit immerhin 1,8 Millionen Kunden zu einem Allround-Versicherer werden soll und künftig auch Kranken- und Rechtsschutzprodukte anbieten wird.

Natürlich besteht oftmals die Neigung, gleich wieder nach Haaren in der Suppe zu suchen. Was ist beispielsweise, wenn die Kunden nicht mitziehen, weil sie ihrer alten Gesellschaft traditionell die Treue geschworen haben oder die neuen Vertriebler in der DVAG keine Heimat sehen und wo anders andocken? Bis wann kann der Außendienst noch Lebensversicherungen an die (alte) Generali Leben vermitteln, wohlwissend, dass der “Run-off” bevorsteht? Was wird aus dem traditionellen Geschäft mit den Gewerkschaften und der SPD sowie dem gewerkschaftsnahen Auto Club Europa (ACE), das auf “alte” Volksfürsorge-Zeiten zurückzuführen ist? Deshalb wäre es durchaus auch ein kluger Schachzug, wenn Generali-Vertriebsvorstand Bernd Felske seine Mannschaft mit zur DVAG begleitet. Damit behielten die neuen Vermögensberater ihre Vertrauensperson in der oberen Führung.

Generali-Betriebsräte werden kämpfen

Auf eines wird in der Pressemitteilung der Generali mit keinem Wort eingegangen: Der Umbau wird weit über 1.000 Mitarbeitern den Arbeitsplatz kosten. Das wird versteckt hinter so klangvollen Formulierungen wie “One Company-Ansatz/Verschlankung operativer Abläufe zur Maximierung von Effektivität und Effizienz”. Hintergrund für diese Vorsicht in der Darstellung dürfte auch sein, dass die Betriebsräte der Generali als “harte Brocken” bekannt sind und sicher um den Erhalt jedes Arbeitsplatzes kämpfen werden.

Sicher ist nun auch, dass die Generali Leben im ersten Quartal 2018 in den “Run-off” geschickt wird. Das soll die Solvabilitätsquote der Generali Group um 1,7 Prozentpunkte und der Generali Deutschland um 26 Prozentpunkte steigern helfen. Das Unternehmen erklärt, dass “die Ansprüche der Kunden für alle bestehenden Lebensversicherungs-Verträge gesichert sind”. Wenn es dann aber gleichzeitig heißt, dass das “Risiko fallender Zinsen für die Generali reduziert” wird, fragt man sich schon, was denn der Kunde dann noch zu erwarten hat. Schließlich leidet er ebenfalls unter dem niedrigen Zinsumfeld. Offen bleibt immer noch die Frage, auf welche Weise die Generali Leben in das Aus geschickt wird. Sehr vage heißt es, dass auch eine Veräußerung des Portfolios nicht ausgeschlossen wird.

Es dürfte als sicher gelten, dass Italien sehr aufmerksam den weiteren Weg der Deutschland-Tochter beobachten wird. Liverani ist auf jeden Fall Erfolg zu wünschen, denn neben dem der Generali sowieso steht das Image der gesamten Branche bei diesem riesigen Projekt mit auf dem Spiel.

Übrigens: Nach der Ergo und der Generali könnte die Axa zu den nächsten Versicherern gehören, die einen “Run-off” ernsthaft in Erwägung ziehen. So gab Deutschlandchef Alexander Vollert in einem Interview mit der Börsen-Zeitung zwar ein “klares Bekenntnis” für das das traditionelle Lebensversicherungsgeschäft ab. Dennoch rechne er mit einer weiteren Flexibilisierung auf dem Lebensversicherungsmarkt. Dabei sehe Vollert für Altbestände “durchaus eine Option” in einer “externen Abwicklung über eine Run-off-Plattform”. (wo)