Zähe Verhandlungen bei der Generali

Aachen. Die Zahl der Arbeitsplätze wird verringert; es bleibt aber das Ziel, die Stellen sozialverträglich abzubauen und soweit wie möglich auf Kündigungen zu verzichten: So lautet der aktuelle Stand bei der Generali-Gruppe, zu der die Aachen-Münchener Lebensversicherung gehört. Seit drei Monaten laufen die Gespräche zwischen Konzernleitung und Betriebsräten, ein Ende ist nicht abzusehen.

„Die Verhandlungen können durchaus noch Monate dauern“, sagt der Aachener AM-Sprecher Jörg Linder auf Anfrage unserer Zeitung.

Der Konzernsprecher bestätigt, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter ein Eckpunktepapier erarbeitet haben: „Das ist eine Absichtserklärung, unter welchen Rahmenbedingungen verhandelt wird.“ Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der AM spricht hingegen von einem „verbindlichen Vertrag“, den man geschlossen habe. „Das ist mehr als eine Absichtserklärung“, sagt Karl-Rupert Hasenkopf. Und demnach wird es mindestens bis 31. Dezember 2021 keine Kündigungen geben.

Der Konzernbetriebsrat will alles daran setzen, diese Beschäftigungsgarantie in den andauernden Verhandlungen bis 2023 zu verlängern. „Ich bin zuversichtlich, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden können“, sagt Hasenkopf unserer Zeitung.

Das Eckpunktepapier legt fest, dass keine Standorte aufgegeben werden – mit einer Ausnahme: Augsburg hat nur bis Ende 2024 eine Bestandsgarantie. Speziell für die Standorte Aachen und Köln ist vereinbart, dass im Falle von Versetzungen nicht alle Arbeitstage am neuen Standort geleistet werden müssen. Beide Seiten müssen nun darüber verhandeln, wie sich das Sanierungsprogramm unter den vereinbarten Rahmenbedingungen auf die einzelnen Standorte und Arbeitsplätze auswirken wird.

Keine neuen Lebensversicherungen
Die Münchener Generali wird ab kommendem Juli keine neuen Lebensversicherungen mehr abschließen; das ist ab dann allein Aufgabe der AM-Leben. Noch ist nicht entschieden, ob die Generali den heutigen Bestand ihrer Lebensversicherungen selbst abwickeln oder verkaufen wird. Und gerade die Lebensversicherung ist nach Aussage von Ira Gloe-Semler, Leiterin des Fachbereichs Finanzdienstleistungen bei Verdi in Hamburg, traditionell ein Schwerpunkt der Aktivitäten von Generali in Hamburg. „Wir befürchten schon, dass Hamburg und München besonders betroffen sein werden“, sagte sie gestern unserer Zeitung; bei Verdi in München sieht man es nicht ganz so dramatisch.

Deutschlandweit stehen bei der Generali-Gruppe rund tausend Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wie sich die bevorstehenden Maßnahmen auf den Standort Aachen auswirken werden, bleibt vorerst offen – aufgrund der hiesigen Arbeitsschwerpunkte wohl eher nicht so stark wie woanders. Hier beschäftigt die Generali-Gruppe mehr als 1700 Mitarbeiter.

Bisher habe man es im Konzern noch immer geschafft, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, sagt Hasenkopf und warnt vor falschen Weichenstellungen. Bis 2023 werden nach seiner Aussage an allen deutschen Standorten fast 800 Mitarbeiter weitgehend aus Altersgründen oder wegen befristeter Verträge das Unternehmen verlassen. „Wenn wir jetzt auf Minimalkapazität herunterfahren, bekommen wir Probleme, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden“, prognostiziert Hasenkopf.

Auch deshalb habe der Konzernbetriebsrat in dem Eckpunktepapier durchgesetzt, dass alle Auszubildenden, die in diesem Jahr ihre Ausbildung erfolgreich abschließen, zumindest für ein Jahr befristet übernommen werden.

Quelle:
http://www.aachener-nachrichten.de